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Informationen > Ausschüsse außerhalb der BGen > Die Kommission für Anlagensicherheit

Zuletzt geändert am 8.1.2009


Autor:
Peter-Heinrich Meyer

Sicherheitsingenieur
56112 Lahnstein

(früher Referent für Arbeitsschutz der Gewerkschaft ÖTV)


Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat zu seiner Beratung in allen Fragen des Störfallrechts und der Anlagensicherheit die Kommission Anlagensicherheit (KAS) eingerichtet. Sie berät ihn in Fragen der Verbesserung der Anlagensicherheit und der Fortentwicklung des Standes der Technik.

Störfälle und andere Ereignisse sind nach, in der Störfall-Verordnung (StörfallV), festgelegten Kriterien meldepflichtig. Sie sind zu analysieren, um eine technischwissenschaftliche Aufklärung der Ursachen vorzunehmen. Darüber hinaus sollen Maßnahmen zur Verhinderung gleicher oder ähnlicher Ereignisse vorgeschlagen werden.

Die nach der Störfallverordnung meldepflichtigen Ereignisse werden vom Umweltbundesamt in der Datenbank ZEMA veröffentlicht. Da bekannt ist, dass aus den nicht meldepflichtigen Ereignissen ebenfalls wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden können, hat die vorhergehende Störfallkommission Kommission (SFK) hat im Sommer 2000 den Unterausschuss Ereignisauswertung (UA-ER), heute Ausschuss für Ereignisauswertung (AS-ER) eingerichtet.

Der AS-ER befasst sich mit der systematischen Auswertung von “sicherheitsbedeutsamen Ereignissen”, die nach der Störfall-Verordnung nicht meldepflichtig sind, um aus den Ereignissen zu lernen,

  • mit dem Ziel eine Wiederholung zu vermeiden,
  • Hinweise zur Verbesserung der Anlagensicherheit und zum technischen Regelwerk zu entwickeln,
  • Vorschläge zur Weiterentwicklung des Standes der Technik und der guten Managementpraxis abzuleiten. Das Ziel ist nicht nur das Lernen aus Ereignissen, sondern auch Denkanstöße zur Ermittlung von Maßnahmen zur Verhinderung von Un- und Störfällen zu geben.





Die Ergebnisse des AS-ER sind nicht nur für Unternehmer, Umweltschutzbeauftragte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit in Betrieben, die unter die StörfallV fallen, von Interesse; sondern für alle die sich beruflich mit dem Thema Gesundheitsschutz in der Arbeitsumwelt beschäftigen.

Der Ausschuss setzt sich aus den in der KAS vertretenen gesellschaftspolitischen Gruppen zusammen. Sie haben in den Ausschuss Fachleute der verschiedensten Disziplinen entsandt.

In den Betrieben und Einrichtungen, die unter die StörfallV fallen, ereignen sich auch Unfälle bzw. Schäden, die nicht unter das Störfallrecht fallen und somit keiner Meldepflicht nach dieser Verordnung unterliegen. Die Erfahrungen im Gesundheitsschutz in der Arbeitsumwelt lehren u.A., dass auch aus einem Beinaheunfall Erkenntnisse zur zukünftigen Verhinderung von Unfällen gewonnen werden können.

In der Anfangszeit erhielt der AS-ER die für seinen Auftrag zutreffenden Daten in erster Linie von der Dechema. Die Daten der Dechema werden allerdings durch Vertreter der betroffenen Industrie aufbereitet bevor sie an den AS-ER weitergegeben werden. Die Begründung für diese Vorgehensweise ist in gewisser Weise einsehbar. Aus einer genauen Beschreibung des Herganges könnte ein Konkurrent Hinweise über das jeweilige Produktionsverfahren entnehmen.

Um diesen Befürchtungen die Grundlage zu entziehen, verlangt die Geschäftsordnung des AS-ER, dass alle eingehenden Daten vor der Weiterbearbeitung anonymisiert werden. Diese Anonymisierung gibt den Betrieben und Einrichtungen die Sicherheit, dass ihre Daten nicht missbraucht werden.

Bei der Auswertung der bis 2001 übermittelten Fälle setzte sich im AS-ER die Erkenntnis durch, dass auch durch die Auswertung von Unfällen und Beinaheunfällen aus Betrieben und Einrichtungen, die nicht unter das Störfallrecht fallen, Anregungen zur Verhinderung von Unfällen und Anlagenschäden zu erlangen sind.

In Schreiben des AS-ER wurden deshalb u.a. die für den staatlichen Arbeitsschutz zuständigen Landesministerien sowie einschlägige Verbände, darunter auch der VDSI, angeschrieben und um Mitarbeit ersucht. Der Brief schloss mit der Bitte, die Angeschriebenen möchten doch entsprechende Daten aus ihrem Bereich zur Verfügung stellen, da sie für die Arbeit des AS-ER hilfreich sein können. Der Erfolg der Briefaktion war ernüchternd, nachstehend die derzeitigen Lieferanten.



Durch Beiträge der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), der Meldestelle für tödliche Arbeitsunfälle der staatlichen Arbeitsschutzverwaltung, wurde der Kreis der betroffenen Betriebe und Einrichtungen ausgeweitet.

Herr Dr. Szewczyk, seinerzeitiger Geschäftsführer des VDSI, hatte das Anschreiben an Mitglieder in größeren Betrieben weitergeleitet, aber er konnte keinen Rücklauf verzeichnen. Anlässlich eines Zusammentreffens erklärte er, dass das Anliegen des Briefes nicht leicht zu verstehen sei.

Der wichtigste Punkt des Schreibens ist die Verpflichtung des AS-ER, die gelieferten Daten zu analysieren, aufzubereiten, zu anonymisieren und den Einsendern in dieser Form wieder zur Verfügung zu stellen. Den Einsendern wird gleichzeitig angeboten sie mit weiteren sicherheitsrelevanten Informationen auch aus anderen Bereichen zu versorgen.

Mit diesem Beitrag soll jede Fachkraft für Arbeitssicherheit animiert werden zur Verbesserung der Datenlage beizutragen, da der AS-ER bis heute nur Datenlieferanten gewinnen konnte, deren Vertreter im Ausschuss mitarbeiten.

Die dem AS-ER übergebenen Unterlagen stammen aus unterschiedlichen Sammelstellen, damit sind sie auch von den jeweiligen Kenntnissen und teilweise auch Interessen geprägt. Damit entsteht das Problem, dass z. B. die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes und seine Verordnungen nicht immer abgefragt werden. Es entsteht, nach Auffassung des Autors zu Unrecht der Eindruck, dass die Fachkräfte für Arbeitssicherheit in den betroffenen Betrieben ihren Arbeitsauftrag nicht erfüllen. Es ist daher empfehlenswert sich die Einträge unter http://www.umweltbundesamt.de/zema/index.html anzusehen um sich von der Richtigkeit der Datenaufnahme zu überzeugen. Einzelne Fachkräfte für Arbeitssicherheit werden ihren eigenen Fall sicher erkennen. Für den Fall, dass ein/eine Betroffene/r sich mit Fakten an den UA-ER wendet und Änderungen vorschlägt, wird ihm/ihr Verschwiegenheit und Anonymisierung zugesichert.

Im folgenden wird das Verfahren der Datenauswertung kurz darstellt. Die anonymisierten Daten werden von einem der Ausschussmitglieder in das Auswerteformular übertragen. Diese Vorarbeit wird an alle Mitglieder des AS-ER geschickt, mit der Bitte im Falle anderer Ansicht Anmerkungen zur Auswertung vorzunehmen. Für die Bearbeitung der einzelnen Fälle ist von der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM) eine Datenbank erstellt worden in der sich hinter den einzelnen Punkten des Formulars ein Klappfenster mit unterschiedlichen Textangeboten öffnet. Abweichende Auffassungen der einzelnen AS-ER-Mitglieder werden vor der nächsten Sitzung von der Sammelstelle bei der BAM tabellarisch zusammengefasst. Nach der Beratung über die Änderungsvorschläge wird über die Einstufung abgestimmt. Nachstehend sind das als intern gekennzeichnete Erfassungs- und das zur Veröffentlichung entwickelte Formular wiedergegeben.



Die Einstufung des einzelnen Falles erfolgt anhand des nachstehend aufgeführten Schemas.



Die Pooldaten sind für die Arbeit des AS-ER von besonderem Interesse. Alle Fachleute des Unterausschusses können nicht in jedem Fall erkennen ob ein Ereignis für die betrieblichen Akteure von Interesse ist. Daher werden solche Daten in eine interne Datenbank eingestellt mit der Maßgabe, sofern sich gleichgelagerte Fälle häufen, daraus ein Merkblatt zu entwickeln. So sind bislang ein Merkblatt mit dem Titel „Verstopfungen von Rohrleitungen“ auf der Grundlage von 23 und ein weiteres mit dem Titel „Abgasleitungen“ auf der Grundlage von 21 einschlägigen Fällen veröffentlicht worden.

Bedeutsame Ereignisse (BDE) werden nach ihrer Verabschiedung im AS-ER in die homepage des AS-ER eingestellt: http://www.umweltbundesamt.de/zema/sfk-datenblaetter.html

Zwar fallen Unfälle bei denen Gefahrstofftransporte beteiligt sind in den Fragen der besseren Gestaltung der Fahrzeugtechnik in den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Verkehr und Bauwesen aber die oft von der Polizei bei der Unfallaufnahme festgestellten Mängel bei der Ladungssicherung oder den nicht zulässigen Verpackungen sind in den versendenden Betrieben Verstöße gegen die StörfallVO bzw. die GefahrstoffVO. Um die Polizeibeamten, der Feuerwehr etc. durch Hinweise an die Betriebe auf der Web-Seite des UBA zu geben wäre eine Zusammenarbeit mit den Dienststellen der beschriebenen Einrichtungen wünschenswert. Bedauerlich ist, dass Gefahrgutunfälle die auf der A3, der A61, der A6 etc. geschehen so gut wie nie dabei sind.

Auch Zwischenfälle in Biogasanlagen beschäftigen in der Zwischenzeit den AS-ER.

Ausdrücklich sei zum Schluss noch einmal betont: der AS-ER sichert jeder/m, der/die eine Beitrag leistet, die absolute Vertraulichkeit zu. Wer trotzdem noch Bedenken hat, kann sich mit dem Verfasser in Verbindung setzen und Absprachen über die Vorgehensweise treffen.



Alle Folien wurden einem Vortrag von Dr.-Ing. Christian Balke, BAM Arbeitsgruppe Tanklager; Ereignisauswertung, Referat III. 22, Unter den Eichen 44-46, 12206 Berlin mit dessen freundlicher Zustimmung entnommen.


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