Forum BG, Diskussionsplattform für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Die Falkensteiner Tage 2010

Dokumente > Das Deutsche Mesotheliomregister

Zuletzt geändert am 22.08.2013


Das Mesotheliomregister und die Dokumentation über die Falkensteiner Tage 2010

Ein Musterbeispiel für die Finanzierung von Instituten, die Gutachten für Unfallversicherungsträger erstellen, ist das Deutsche Mesotheliomregister. In beinahe exemplarischer Art und Weise wurde bei den Falkensteiner Tagen 2010 offensichtlich, dass es beim DGUV e.V. ein hohes Interesse gab und gibt, die finanzielle Abhängigkeit des Mesotheliomregisters vom DGUV e.V. nicht an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Interessant war am Diskussionsverlauf der Tagung in Falkenstein, dass Frau Prof. Tannapfel als Direktorin des Deutschen Mesotheliomregisters natürlich die Finanzierung und mithin auch die weitgehende Abhängigkeit dieses Instituts vom DGUV e.V. kannte, sie hierin aber keinen möglichen Interessenskonflikt bei der Begutachtung erkennen konnte oder wollte.

Hier ein Auszug aus der Dokumentation (S. 154 und 155), der Aufschluss über die finanzielle Abhängigkeit des Deutschen Mesotheliomregisters vom DGUV e.V., dem Dachverband der Unfallversicherungsträger in eindringlicher Form verdeutlicht:
_____________________________________________________________________________________

"Angermaier, Köln:
Ich möchte darauf hinweisen, dass heute Vormittag von den Herren Beyer und Clasen ein Punkt angesprochen wurde, der sich auf die Anlage 13. 9 "Licht- und Rasterelektronenmikroskopie" bezieht. Dort finden sich in drei Abschnitten Textpassagen, die das Deutsche Mesotheliomregister besonders hervorheben, die aber aus meiner Sicht entbehrlich sind.
Die erste Passage führt aus, dass das Deutsche Mesotheliomregister lichtmikroskopische und elektronenmikroskopische Untersuchungen durchführt. Das könnte man meiner Meinung nach auf eine Internetseite nehmen, das hat in diesen Empfehlungen nichts verloren.
In den beiden weiteren Passagen geht es um die Frage der Notwendigkeit der Erstellung eigener Referenzwerte. Das müsste sowieso jedem Labor empfohlen werden, entsprechend den Helsinki-Kriterien. In der vorliegenden Form wird, so auch heute Vormittag die Kritik, hier einem Gutachteninstitut eine Sonderstellung gegenüber anderen Instituten eingeräumt. Das kann eine Empfehlung meines Erachtens nicht zum Ziel haben.

Tannapfel:
Vielen Dank für den Hinweis. Auch ich habe etwas gegen Monopole. Aber wenn Sie sich die angesprochenen Passagen genau durchlesen, werden Sie sehen, dass darauf abgehoben wurde, die Grenzwerte, an deren Erarbeitung für das BGIA-Handbuch wir wie die anderen genannten Institute mitgewirkt haben, zur Verfügung zu stellen. Wir wollten uns dabei nicht als Referenzzentrum positionieren, sondern sagen einfach nur, dass die Entscheidung über die angewendeten Methoden offen ist. Die Referenzwerte finden Sie sowohl in der Falkensteiner Empfehlung als auch in der Leitlinie der AWMF.

Angermaier:
Die Empfehlung ist an verschiedene Personengruppen adressiert. Ich habe das unter der Perspektive der betroffenen Versicherten gelesen. Denen wird meines Erachtens suggeriert, dass es hier nur ein und keine weiteren Gutachteninstitute gibt. Und das ist kein guter Weg. Wir hatten in der Vergangenheit - Herr Dr. Kranig, Sie werden sich erinnern - schon sehr ungute Diskussionen hinsichtlich einer Monopolsituation des Mesotheliomregisters.
Im Übrigen sollte man vielleicht überprüfen, ob hier nicht ein Interessenkonflikt besteht. Dies ließe sich vor dem Hintergrund der heute Morgen angestellten juristischen Überlegungen ableiten. Insofern sehe ich überhaupt keine Notwendigkeit, das Register so besonders hervorzuheben.

Tannapfel:
Würden Sie diesen Interessenkonflikt bitte genauer formulieren, damit dazu eine Stellungnahme möglich ist?

Angermaier:
Der Interessenkonflikt liegt aus meiner Sicht dann vor, wenn ein Institut zu 90-100 % von den Berufsgenossenschaften finanziert wird, wie dies beim Mesotheliomregister der Fall ist. Das Register wird, wie die Unterlagen der Vorstandssitzung des DGUV e. V. vom 14./15. September 2010 unter dem Tagesordnungspunkt 21.3 ausweisen. Hiernach beträgt die indirekte Finanzierung durch Untersuchungen und Begutachtungen für die Berufsgenossenschaften für 2011 rund €
---------- und die direkte Finanzierung durch den DGUV e. V. rund
---------- 1. Ich habe diese Unterlagen mitgebracht und sie können gerne eingesehen werden.

Brandenburg:
Darf ich den Dialog hier beenden. Herr Prof. Teschler möchte aus der Sicht einer anderen Fachgesellschaft etwas dazu sagen.

1
Die genannten Zahlen können hier nicht wiedergegeben werden. Es handelt sich um interne nicht zur Veröffentlichung bestimmte oder freigegebene Daten."

_____________________________________________________________________________________

Die Schwärzung der Zahlen im Text und die Fußnote 1 wurde vom DGUV e.V. als Herausgeber vorgenommen.

Um ein Bild der finanziellen Abhängigkeit zu geben sollen hier nochmals die genannten Zahlen aufgeführt. Die dem Vorstand des DGUV e.V. vorgelegte Empfehlung für den Haushalt des DGUV e.V. enthielt neben einer detaillierten Aufstellung des Wirtschaftsplans (sie liegt dem Autor vor) die folgenden Zahlen:
Der Wirtschaftsplan des Mesotheliomregisters sollte für 2011 insgesamt 1.710.300 € Aufwendungen umfassen. Es wurden 850.000 € Einnahmen durch Begutachtungen und 260.000 € aus Arztabgaben angesetzt. Die Aufwendungen sollten weiterhin durch Auflösung eines Sonderpostens in Höhe von 120.000 € und geringen Zinseinnahmen gedeckt werden. Die verbleibende Deckungslücke in Höhe von 477.000 € sollte durch den DGUV e.V. getragen werden.

Im Diskussionsbeitrag waren nur die Zahlen 850.000 € und 477.000 € genannt worden.

Eine Stellungnahme von Frau Prof. Tannapfel zum vermuteten Interessenskonflikt wurde - wie aus der Dokumentation der Falkensteiner Tage 2010 ersichtlich ist - im weiteren Verlauf der Diskussion nicht mehr gegeben.

Die vollständige Dokumentation der Falkensteiner Tage 2010 kann beim DGUV e.V. als Publikation bestellt werden unter: http://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?ID=0

Sie kann aber auch aus dem Internet heruntergeladen werden unter:
http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/falkensteinertage2010.pdf

Homepage | Was wollen wir | Neues | Berufskrankheiten | Informationen | Dokumente | Stichworte | Literatur | Impressum | Kontakt | Site Map


Aktualisiert am 18 Jul 2017 | forum-bg@forum-bg.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü