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Die Diskussion um eine Anpassung der Reha

Neues > 2008

Zuletzt geändert am 16.11.2008


Der Mitgliederversammlung des DGUV e.V., die am 27./28. November 2008 in Fulda tagt, wird vom Vorstand der Vorschlag einer Überprüfung und Neuausrichtung der berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren vorgelegt werden. Unter Verweis auf „die gesetzlichen, strukturellen und ökonomischen Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem“, sollen deren „mögliche Auswirkungen auf die Heilverfahren und die Organisationsstruktur der BG-Kliniken beleuchtet“ werden. Im Entwurf zu einem Eckpunktepapier vom 25.7.2008 ist zu lesen, dass es das Ziel sein muss, „das komplexe Leistungsspektrum und die hohe Leistungsfähigkeit der eigenen Kliniken auch unter veränderten politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu erhalten und ihre Organisationsformen der sich wandelnden Bedarfslage und einem veränderten Wettbewerb anzupassen.“

Tatsache ist eine erhebliche Veränderung in der Leistungs- und Finanzstruktur der Krankenkassen. Knapp gefasst kann man feststellen, seit Jahren werden die Kosten für den Erhalt der Gesundheit immer weitgehender auf die Arbeitnehmer überlastet und die Arbeitgeber entlastet.

Feststellen kann man auch, dass die Leistungen der Krankenkassen reduziert und von den Versicherten gesondert bezahlt werden müssen. Überdies hat es massive Einschnitte in die Kompetenzen der Selbstverwaltung der Krankenkassen gegeben. Ein Resultat dieser faktischen Entmachtung der Selbstverwaltung waren die Verhandlungen und Zusagen der Bundesregierung in der Vertretung durch die Ministerin Ulla Schmidt mit den Apothekerverbänden, mit den Ärzteverbänden und mit den Krankenhausgesellschaften, denen verbindliche Zusagen für zusätzliche Finanzmittel gemacht wurden. Diese Entscheidungen waren keine Entscheidungen der Selbstverwaltung, sondern ausschließlich solche der Bundesregierung.

Diese Entwicklung muss sicherlich von den Unfallversicherungen beobachtet und zu Kenntnis genommen werden. Sie muss auch darauf überprüft werden, welche Wirkungen sich aus der sich ändernden Versorgungsstruktur im öffentlichen Gesundheitsversorgungssystem auf die medizinische Rehabilitation von Beschäftigten ergeben, die Opfer eines Arbeitsunfalles oder einer Berufskrankheit wurden. Aber, es haben sich weder die rechtlichen Voraussetzungen für die Unfallversicherungsträger bei der Rehabilitation, noch die Vorgaben für die Finanzierung der umfassenden Rehabilitationsmaßnahmen bislang so geändert, dass dies eine völlige Neustrukturierung des berufsgenossenschaftlichen Rehabilitationskonzeptes erlauben würde.

Welche Themen sind es also, die der Entwurf des Eckpunktepapiers enthält und die zu Überlegungen für eine Veränderung des Heilverfahrens führen?

  • Die Neuordnung der Weiterbildung bei den Ärzten in der Form einer Zusammenführung der Fachbereiche Orthopädie und Unfallchirurgie macht es notwendig zu überlegen, welche unfallmedizinischen Qualifikationen bei einem Arzt vorhanden sein müssen, damit er die Funktion eines D-Arztes oder eines H-Arztes ausfüllen kann.


  • Hat eine erhebliche Verlagerung von früher nahezu ausschließlich klinisch-stationär durchgeführten Operationen zu heute ambulant durchgeführten Operationen stattgefunden. Davon ist die medizinische Heilbehandlung die im Auftrag der Unfallversicherungsträger erfolgt, natürlich nicht unberührt.


  • Bei den Ärzten hat mittlerweile auch innerhalb ihres Fachgebietes eine weitere Spezialisierung stattgefunden, deren Leistungen von den Unfallversicherungsträgern bislang noch nicht in einem größeren Maße genutzt worden ist.


  • Der Rückgang von Arbeitsunfällen sollte zu Überlegungen führen, ob es der bisherigen Zahl an Ärzten für besondere Heilverfahren bedarf und wie sich der Bedarf und die Verfügbarkeit von Ärzten regional darstellt. Überdies wird befürchtet, zwischen den Ärzten könnte mangelnder Wettbewerb dazu führen, dass sie sich notwendigen Innovationen verschließen.


  • Es müssen Strategien zur Beseitigung von drohender unfallmedizinischer Unterversorgung in einzelnen Regionen entwickelt werden.


  • Als ein weiteres Thema wird die Überprüfung der rechtlichen Veränderungen im vertragsärztlichen Bereich gesehen.


  • Es wird über eine Qualitätssicherung bei der D-ärztlichen Tätigkeit nachgedacht.


  • Schließlich soll die Qualifikation der stationär tätigen Durchgangsärzte unter den Veränderten Voraussetzungen der Weiterbildung überprüft werden.



Weitere Prüfungsüberlegungen des Entwurfs für ein Eckpunktepapier betreffen die stationären Heilverfahren und damit die Krankenhäuser. Im einzelnen handelt es sich dabei um die folgenden Ansätze:

  • Im Weißbuch zur Schwerverletztenversorgung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) wurde für eine ausreichende flächendeckende unfallmedizine Versorgung Unfallverletzter die Bildung von Traumanetzwerken mit Kliniken unterschiedlicher Qualitätsstufen gefordert. Dies könne nur durch Strukturanpassungen sichergestellt werden.


  • Eine Forderung, die auch gegenüber den Kliniken erhoben wird ist die Entwicklung von Qualitätssicherungssystemen, was natürlich wiederum damit einhergeht, dass hinreichend hohe Fallzahlen für einzelne medizinische Maßnahmen gegeben sind.


  • Wie bei den Ärzten ist auch bei den Kliniken ein Trend zur Spezialisierung erkennbar, der für die berufsgenossenschaftliche Rehabilitation stärker genutzt werden sollte, was auch zu einer vertraglichen Bindung zu einzelnen Kliniken führen könnte. Es wird aber davor gewarnt, dies könnte bei den Kliniken dazu führen sich auf besonders lukrative Behandlungen zu spezialisieren, mit der Folge einer dramatischen Vernachlässigung der weniger oder nicht lukrativen, aber gleichwohl notwendigen Behandlungsverfahren.


  • Es wird festgestellt, daß bis heute noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber vorliegen, welche Auswirkungen die Einführung des DRG-Fallpauschalensystems auf die Behandlung Unfallverletzter hat. Es soll deshalb ermittelt werden, wo die Anwendung des DRG-Systems zu einer entweder unzureichenden medizinischen Versorgung bzw. zu einer nicht ausreichenden Bezahlung führt, bzw. wo das DRG-System eine zu hohe Vergütung medizinischer Leistungen zur Folge hat.


  • Es sollen Überlegungen hinsichtlich einer Belegungssteuerung bei der stationären Versorgung von Unfallverletzten entwickelt werden, die mit Sanktionsmöglichkeiten zu verbinden sind, wenn die medizinische Rehabilitation nicht in einer für diese Maßnahmen zugelassenen Klinik erfolgen.


  • Als zentraler Punkt wird im Entwurf zum Eckpunktepapier die Diskussion um die Standorte der BG-Klinken genannt. Die BG-Kliniken sollen in ihrem Wettbewerb mit den anderen Traumakliniken besser positioniert werden, wobei es auch hierbei wiederum darum geht verbindliche Regelungen für die Belegung der BG-Kliniken zu schaffen.


  • Flankierend soll zwischen den BG-Kliniken eine gemeinsame Strategie zur Abstimmung des Leistungsangebotes erstellt werden. Dies setzt aber einheitliche Abläufe und Strukturen innerhalb eines stärker koordinierten Klinikverbundes voraus. Insofern sollen Konzeptüberlegungen für die Organisationsstruktur der BG-Kliniken entwickelt werden und dies auch, um im stärker werdenden Wettbewerb die Ressourcen besser nutzen zu können.


  • „Schließlich sollte die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Klinikverbundes größere Beachtung finden. Die schon bestehenden Steuerungs- und Controlling-Aufgaben in der VBGK und der DGUV sind im Rahmen der Gesamtstrategie zu einem klinikübergreifenden Benchmarking und Controlling konsequent weiter auszubauen und zu intensivieren.“ (S. 9)



Der Entwurf des Eckpunktepapiers hat also drei große Zielrichtungen: zum Ersten die Anpassung der berufsgenossenschaftlichen Rehabilitation an die veränderten Strukturen durch die Maßnahmen der Bundesregierung bei der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Zum Zweiten die Verbesserung der berufsgenossenschaftliche Rehabilitationsleistungen insbesondere durch Aufbau eines Qualitätssicherungssystems und zum Dritten die Überprüfung der Kosten für die Rehabilitation. Diese Ziele sind sicherlich nicht verkehrt. Werden sie aber alle gleichermaßen verfolgt werden? Nicht zuletzt weil der Zeitaufwand für die Umsetzung dieser Ziele unterschiedlich ist und in der Vergangenheit häufig ökonomische Argumente höher gestellt worden sind. Überdies ist zu berücksichtigen, dass die Kostenprüfung sehr viel weniger Zeit benötigt als der Zeitaufwand, der für eine Verbesserung der Qualität der berufsgenossenschaftlichen Rehabilitation erforderlich ist. Es wird also genau zu prüfen sein, welche tatsächlichen Aktivitäten und welche Prioritäten bei der Umsetzung des Eckpunktepapiers gesetzt werden.

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