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Die BG Holz und Metall (137) - Zeichen oder Wunder?

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Zuletzt geändert am 21.09.2020



Die BG Holz und Metall (137) - Zeichen oder Wunder?

Im Beitrag ( Die BGH Holz und Metall (134) - Der Vorstand und die Prävention?) hat Forum-BG die veränderte Einschätzung der Gefährdungen durch Schweißrauche erwähnt und geschrieben: "Ein Sachverhalt, der dringend und vor allem systematisch in die Präventionsarbeit einfließen muss. Es handelt sich dabei um einen Sachverhalt, der neben der Prävention auch in den Bereichen Rehabilitation und BK-Anerkennung eine wichtige Rollen spielen sollte."


Aber es rührt sich noch etwas!

Schon interessant:

  • Im Jahr 2018 korrigiert die Internationale Krebsagentur (IARC) ihre Bewertung von Schweißrauchen neu. Die bisherige Einstufung als "möglicherweise krebserregend (Gruppe 2B)" wird geändert zu "krebserregend für Menschen (Gruppe 1)".


  • In Heft 01/2020 des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin des e.V. "Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung" (DGUV e.V.), dem IPA-Journal (vgl. S. 20ff, https://www.ipa-dguv.de/medien/ipa/publikationen/ipa-journale/ipa-journale2020/ipa-journal2001/ipa_journal_2001.pdf) findet sich ein Bericht. Es wird über eine gemeinsam von der BG Holz und Metall (BGHM), der BG Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM) und dem Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) sowie vom IPA durchgeführte Pilotuntersuchung berichtet. Sie wurde im Rahmen der "InterWeld"-Studie durchgeführt. Es ging dabei um die Verhinderung von Gefährdungen durch Schweißrauche und um die Einhaltung geltender Arbeitsplatzgrenzwerte an realen Arbeitsplätzen in Industrie und Handwerk.


  • In der Februar-Ausgabe Nr. 12-13/2020, Seite 236 ff, des Gemeinsamen Ministerialblattes der Bundesregierung gab es eine Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Bek. v. 26.02.2020, Bekanntmachung von Technischen Regeln; TRGS 528 "Schweißtechnische Arbeiten"



  • In der Ausgabe Nr. 19/2020 vom 05.06. sowie in der Ausgabe Nr. 23/2020 vom 07.08.2020des Gemeinsamen Ministerialblattes der Bundesregierung gab es jeweils Änderungen zur TRGS 528 "Schweißtechnische Arbeiten"



Und dann reagiert die BGHM doch noch:

In der Ausgabe 4/2020, also der Ausgabe von August 2020 von BGHM-Aktuell findet sich ein Artikel unter der Überschrift "Aktualisierte Technische Regel - Neue Gefahrstoffgrenzwerte beim Schweißen" (vgl. Ausgabe 4/2020, S. 22f, https://www.bghm.de/bghm/presseservice/unsere-fachmagazine/bghm-aktuell/).

Hierfür kann und muss man dankbar sein. Schon ein halbes Jahr nach der ersten Änderung in der TRGS 528 reagiert die BGHM. Man muss auch dankbar sein, dass die BGHM darüber aufklärt, dass es im Winter ein Kolloquium zur Umsetzung der TRGS 528 gegeben habe. So ist es jedenfalls auf der Seite 23 von BGHM-Aktuell 4/2020 zu lesen:



Es handelt sich dabei um ein Seminar das im Winter 2019 stattgefunden hat, so nachzulesen in der Veröffentlichung von IPA (vgl. S. 23, https://www.ipa-dguv.de/medien/ipa/publikationen/ipa-journale/ipa-journale2020/ipa-journal2001/ipa_journal_2001.pdf).


Möglicherweise stellt sich jemand die Frage: Weshalb reagiert und informiert die BGHM so spät?

Sollte etwa die Öffentlichkeitsabteilung trotz ihrer hohen personellen Ausstattung überfordert gewesen sein? An der Präventionsabteilung hat es sicherlich nicht gelegen, diese war ja schon länger mit dem Thema aktiv befasst. Oder sollte gar der Kollege Neumann das Schreiben von Forum-BG gelesen und überdies auch noch bei dem HGF Heck nachgefragt haben, wann denn die Versicherten und die Mitgliedsbetriebe informiert werden? Dass der Hauptgeschäftsführer Christian Heck plötzlich ein Engagement für die Prävention entwickelt haben sollte, scheint allerdings eher unwahrscheinlich.

Egal, was immer der Auslöser gewesen sein mag, diese Information ist wichtig und überfällig.


Die Prävention ist bei der BGHM aber leider immer noch im Abseits:

Hier ein weiteres Beispiel:

Von 2018 auf 2019 sind die Besichtigungen in den Mitgliedsunternehmen um 8% zurückgegangen (vgl. https://www.bghm.de/bghm/amtliche-informationen/kennzahlen/)!

Und dies angesichts der Tatsache, dass in der gleichen Zeit die Zahl der Mitgliedsunternehmen um 2,2 % gestiegen ist und 2019 insgesamt 231.506 Mitgliedsunternehmen betrug.

Eine erstaunliche Entwicklung, die eine eindeutige und massive Verringerung der Präventionsleistungen bedeutet.


Und es kommt noch dreister!

Dieser Rückgang in der betrieblichen Betreuung ist aber noch weit dramatischer. Bei den Besichtigungen muss es sich nämlich nicht immer um wirkliche Besichtigungen handeln. Seit einigen Jahren sind die Aufsichtspersonen angewiesen, so konnte Forum-BG feststellen, nicht nur tatsächliche Vor-Ort-Besichtigungen im IT-System der BGHM zu dokumentieren. Es sollen - so ist die Anweisung - zum Beispiel auch Telefongespräche mit den Mitgliedsunternehmen als Besichtigungen erfasst werden. Zur Anwendung dieses Tricks müssen die Aufsichtspersonen im IT-System der BGHM "Vita-Applications" einen Haken "
Aus der Ferne" setzen.


Schön reden als Prinzip

Im Jahresbericht 2019, der ebenfalls im August 2020 veröffentlicht wurde, findet sich eine Einleitung. Diese Einleitung ist interessanterweise sowohl von den beiden Vorsitzenden des Vorstandes, also für die Arbeitgeber von Prof. Dr. Kreßel und für die Versicherten von Bernhard Wagner, unterzeichnet, wie auch vom Hauptgeschäftsführer Christian Heck und seinem Stellvertreter Nils Schurreit. Trägt hierfür nicht eigentlich der Vorstand die Verantwortung und warum unterschreibt Nils Schurreit? Er ist doch erst sei dem 1. Juli 2020 bei der BGHM tätig? In diesem Vorwort ist jedenfalls zu lesen:

"Dass die Leistungen und Angebote gut angenommen werden, belegt die traditionell enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit der BGHM mit ihren Mitgliedsbetrieben und Versicherten. Dieses gemeinsame Engagement wirkt sich auch positiv auf die Arbeits- und Wegeunfälle aus. Die Quote der Arbeitsunfälle je eine Millionen Arbeitsstunden ist im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 22,07 auf 21,16 gesunken (-4,1 Prozent), die Quote der meldepflichtigen Arbeitsunfälle bezogen auf 1.000 Vollarbeiter sank von 34,43 auf 32,80. Gleiches gilt für die Wegeunfälle: Hier sank die Quote je 1.000 Versicherte um 5,7 Prozent von 3,89 auf 3,67. Lassen Sie uns zusammen auch künftig mit allen geeigneten Mitteln dafür eintreten, diese Erfolge fortzuschreiben: Gemeinsam wollen wir die gebündelten Kompetenzen der BGHM und das damit verbundene Leistungsangebot weiterentwickeln und ausbauen - für Ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sowie eine bestmögliche Rehabilitation im Leistungsfall."
(vgl. https://www.bghm.de/bghm/presseservice/ueber-die-bghm/)

Eine Feststellung, die - wenn man den Jahresbericht gelesen hat - nicht verständlich ist. Noch weniger verständlich ist, dass bei dem Vorwort auch noch Bilder der Vorstandsvorsitzenden sowie des HGF Christian Heck und seines neuen Stellvertreters abgebildet sind. Die beiden Vorstandsvorsitzenden grinsen auf den Konterfeis. Dies mag möglicherweise dem Zeitpunkt der Erstellung der Fotos geschuldet sein. Vielleicht hatten sie zu diesem Zeitpunkt den Jahresbericht aber auch noch nicht gelesen.

Dass sie aber diese Einführung unterzeichnet haben, lässt an ihrer Kompetenz massive Zweifel aufkommen. Sollten Sie den Jahresbericht tatsächlich nicht gelesen haben? Oder muss das dargebrachte Grinsen als Ausdruck einer gewissen Schlichtheit ihres Denkens oder etwa als Unkenntnis in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz interpretiert werden? Hätten sie ihn gelesen und hätten sie ihn auch noch verstanden, so dürfte bezweifelt werden, dass sie diese Einleitung für zutreffend und für unterzeichenbar gehalten hätten.

Ein Sinken der Quote der Arbeitsunfälle je eine Million Arbeitsstunden um 4,1 Prozent von 2018 auf 2019 klingt ja nett. Dass in dem gleichen Zeitraum aber:

  • Die Zahl der neuen Unfall-/BK-Renten um 5,2 % gestiegen ist, wobei die Zahl der Renten durch Arbeitsunfälle um 2,7 %, die Zahl Renten durch Wegeunfälle um 6,4 % sowie die Zahl der Renten durch Berufskrankheiten um 8,4 % gestiegen ist. Wohlgemerkt, Zahlen, die im Jahresbericht stehen. Dies wirft ein anderes Bild auf die Unfall- und BK-Risiken der Versicherten (vgl. S. 10 des Jahresberichts 2019, https://www.bghm.de/bghm/presseservice/ueber-die-bghm/) Dieser Anstieg der Renten besagt etwas über die Schwere der Schädigungen, die die Versicherten erlitten haben.


  • Noch dramatischer ist die Entwicklung, wenn man sich die Entwicklung der Zahl der Fälle mit Todesfolge ansieht, die einen Anstieg um 19,6 % aufweist. Hierbei hat die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle um 12,8 % und die der tödlich verlaufenen Berufskrankheiten 22,9 % zugenommen. Nur bei den Wegeunfällen ist die Zahl der tödlichen Vorfälle um 15,4 % zurückgegangen.


Und um noch eine Zahl aus dem Jahresbericht zu zitieren:

  • Die Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit 4302, also einer toxischen Atemwegserkrankung, wie sie eben u.a. durch Schweißrauche entstehen kann ist von 2018 auf 2019 um 17,2 % gestiegen. Man kommt angesichts dieser Zahlen schon ins Grübeln und stellt sich die Frage, ob die Mitteilung über die Neubewertung möglicherweise absichtlich so verzögert durch die BGHM veröffentlicht wurde.


Angesichts dieser Zahlen stellt man sich auch die Frage, weshalb dieser Jahresbericht mit einer so positiven Einschätzung - oder soll man sagen Huldigung der Tätigkeit der Geschäftsführung - eingeleitet und überdies auch noch von den Vorstandsvorsitzenden gemeinsam mit der Geschäftsführung unterschrieben wird. Könnte es sein, dass die beiden Vorstandsvorsitzenden möglicherweise über ihr Grinsen vergessen haben sich den Jahresbericht und die darin enthaltenen Zahlen einmal genauer durchzulesen?

Es ist nun einmal nicht damit getan, in Beiträgen im Internet Kompetenz zu behaupten (vgl. https://www.igmetall.de/service/publikationen-und-studien/metallzeitung/metallzeitung-ausgabe-juliaugust-2020/3-fragen-an-bernhard-wagner; https://www.gaggenau.igm.de/news/meldung.html?id=88074; https://www.pressebox.de/pressemitteilung/berufsgenossenschaft-holz-und-metall/Bernhard-Wagner-neuer-Vorsitzender-der-BGHM-Vertreterversammlung/boxid/770429) und dann eine derartige Schönrederei auch noch verantwortlich zu unterzeichnen.

Auch wenn dieser Jahresbericht von Dr. habil. Urban möglicherweise als weit unter seiner wissenschaftlichen Kompetenz liegend und damit als vernachlässigbar eingeschätzt werden mag, eine nähere Beschäftigung würde sich beispielsweise schon alleine deshalb lohnen, um einen Aspekt der alltäglichen Arbeitsbedingungen unserer Kolleginnen und Kollegen zu erhalten. Möglicherweise könnte sich hieraus eine neue Einschätzung der so geliebten und gepflegten Diskussion um "gute Arbeit" ergeben. Für Dr. habil. Urban und seinen immer noch tätigen Zuarbeiter Pickshaus (vgl. https://hans-juergen-urban.de/kontaktimpressum/) könnte sich hieraus allerdings eine neue Einschätzung ergeben. Angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse können die Arbeitsbedingungen natürlich verbessert werden, nämlich dann, wenn man sich dafür einsetzt und kämpft. Wenn man allerdings nichts dergleichen tut und an Stelle dessen sich an die Seite von einem Dr. Platz o.ä. stellt und die eigenen Kollegen mit der nicht belegbaren Behauptung eines "kriminellen Verhaltens" überzieht und überdies dann auch noch die Person, die hierfür die angeblichen Beweise geliefert hat, zum neuen Hauptgeschäftsführer macht, dann entzaubert sich die These der "guten Arbeit" sehr schnell und wird zum schlichten Geschwätz!




























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Aktualisiert am 21 Sep 2020 | forum-bg@forum-bg.de

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