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Die BG Holz und Metall (135) - Schweißrauch und seine Gefährlichkeit

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Zuletzt geändert am 06.09.2020



Die BG Holz und Metall (135) - Schweißrauche und ihre Gefährlichkeit


Schweißrauche werden als gefährlicher eingeschätzt

Im Beitrag ( Die BGH Holz und Metall (134) - Der Vorstand und die Prävention?) hat Forum-BG die veränderte Einschätzung der Gefährdungen durch Schweißrauche erwähnt. Ein Sachverhalt, der dringend und vor allem systematisch in die Präventionsarbeit einfließen muss. Es handelt sich dabei um einen Sachverhalt, der neben der Prävention auch in den Bereichen Rehabilitation und BK-Anerkennung eine wichtige Rollen spielen sollte.

Dabei kann und darf man es aber nicht belassen. Diese Neubewertung des Gefährdungsrisikos betrifft nicht nur die Beschäftigten, die Schweißarbeiten ausführen müssen, sondern auch Beschäftigte, die zwar nicht selbst schweißen, die aber in der Nähe arbeiten müssen, wo Schweißarbeiten durchgeführt werden.

Hier wäre Herr Schurreit mit seinen Kenntnissen auf dem Gebiet der Rehabilitation und Entschädigung von Berufskrankheiten gefordert.

Ein wichtiger Schritt wäre es, sich nochmals all die BK-Anzeigen vorzunehmen, bei denen es um Gesundheitsschädigungen und Erkrankungen im Zusammenhang mit Schweißrauchen ging.

In den vergangenen Jahren wurden viele BK-Anzeigen, die BK-Nr. 4301 und 4302 betreffend, gestellt. Hier die Meldezahlen, bezüglich der Berufskrankheiten durch allergische Atemwegserkrankungen (BK Nr. 4301) sowie toxische Atemwegserkrankungen (BK Nr. 4302), wie sie vom DGUV e.V. veröffentlicht wurden lauten:



(vgl. https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/bk-geschehen/bk-verdachtsanzeigen; https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/bk-geschehen/neue-bk-renten/index.jsp; https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/bk-geschehen/anerkannte-bken/index.jsp sowie https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/bk-geschehen/neue-bk-renten/index.jsp)

Eine interessante Übersicht, die zeigt, wie gering die tatsächlich anerkannten BK-Fälle im Gegensatz zu den angezeigten Verdachtsfällen ist. Ein Sachverhalt, der sehr deutlich macht, wie die Gefährdungen im Arbeitsleben letztendlich zu Lasten der Geschädigten minimiert werden.

Noch interessanter wird die Betrachtung, wenn man die Hintergründe für diese Zahlen etwas kritischer betrachtet, wie dies dankenswerterweise Dr. Franz H. Müsch, MedDir a. D., in seinem Beitrag "Lebensprobleme im "Sozialstaat ohne Sozialverfassung" - Berufskrankheiten-Todesfälle" getan hat. (vgl. https://www.arbeit-und-arbeitsrecht.de/sites/default/files/public/data-fachartikel/AuA_2020_09_Berufskrankheiten-Todesfaelle_532-536.pdf)

Angesichts der neuen Einstufung des Gefährdungs- und Risikopotential von "möglicherweise krebserzeugend" hin zu "krebserzeugend", müsste doch eigentlich angenommen werden, dass die betreffenden BGen, also insbesondere wieder einmal die BGHM, ihrem Auftrag entsprechend selbst dazu übergegangen wären, von Amts wegen, die BK-Anzeigen sowie die getroffenen Bewertungen für die vergangenen Jahre entsprechend dieser Steigerung in der Gefährdungseinschätzung neu zu bewerten.

Die Verantwortlichen in der BG, also der Vorstand, hätten also eigenständig zu dem Beschluss kommen müssen, die Geschäftsführung - zunächst die Geschäftsführung unter der Leitung von Dr. Platz und mittlerweile die Geschäftsführung unter Christian Heck und Niels Schurreit - aufzufordern, in den abgelehnten Fälle nochmals zu ermitteln und neu zu bewerten und die Neubewertungen nochmals den Rentenausschüssen vorzulegen.

Soweit Forum-BG informiert wurde, ist dies aber nicht geschehen. Weshalb nicht, darüber kann nur spekuliert werden. Dass bei den Arbeitgebervertretern im Vorstand kein großes Interesse an einer Prüfung der abgelehnten BK-Anzeigen (4301 sowie 4302) bestand und besteht, das darf vermutet werden. Schließlich ist hinreichend bekannt, dass insbesondere die Automobilindustrie die Beitragsleistungen für die Unfallversicherung möglichst gering halten möchte und sich dabei nicht einmal davor scheut, Wege zur Kostenverlagerung auf die Klein- und Mittelbetriebe zu wählen.

Dass aber auch die Vertreter/Innen der Versicherten sich zu keiner Aktivität aufraffen konnten, ist nicht verständlich. Dies ist vor allem auch deshalb nicht verständlich, da einzelne Vertreter der Versicherten in den Selbstverwaltungsgremien immer wieder - auch in Veröffentlichungen - den Anschein erwecken, sich außerordentlich engagiert für die Versicherten einzusetzen.

Insofern kann man die Kolleginnen und Kollegen in den Vorständen der Unfallversicherungen nur dringend dazu auffordern, möglichst schnell aktiv zu werden und von den Geschäftsführungen der BGen eine Überprüfung der ergangenen Bescheide unter Berücksichtigung der neuen Gefährdungseinschätzung zu verlangen.

Ergänzend dazu wäre es natürliche eine wichtige Aktion und vor allem eine noch wichtigere Hilfestellung für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen, die in den vergangenen Jahren eine BK-Anzeige zu den BKen Nr. 4301 und Nr. 4302 gestellt haben, nochmals eine BK-Anzeige zu stellen. Dazu ist es aber vor allem erforderlich, dass diese neuen Informationen zur Gefährdungseinschätzung der Schweißrauche auch den Mitgliedern der Rentenausschüsse und der Widerspruchsausschüsse vermittelt werden. Wäre hier nicht ein lohnendes Aufgabengebiet für die personell so opulent ausgestattete "Abteilung Öffentlichkeitsarbeit"? Es gäbe übrigens auch die Möglichkeit die neue Einschätzung der Gefährdung durch Schweißrauche zum Thema eines Artikels in der Zeitschrift "BGHM-Aktuell" zu machen? Oder wären das schon wieder einmal Überforderungen?

Man darf auf entsprechende Koordinierungstätigkeiten des DGUV e.V. oder doch wenigstens der Anstrengungen des BGHM-Vorstandes und der Geschäftsführung gespannt sein.

Die Vorstandsverwaltung der IG Metall in Frankfurt, vor allem der hierfür zuständige Kollege Dr. habil. Urban könnte - nein, muss - hier wesentliche Impulse setzen, um die Kolleginnen und Kollegen, also alle Beschäftigten zu schützen.


Noch eine Anmerkung zum Schluss:

Da gibt es eine neue Einschätzung der Gefährdung für Versicherte durch Schweißrauche. Allein auf Basis der neuen Gefährdungs-Einschätzung muss leider davon ausgegangen werden, dass die Zahl der durch Schweißrauche geschädigten Versicherten erheblich höher liegt, als bislang angenommen. Von den gesetzlichen Unfallversicherungen wird es also einen größeren Aufwand sowohl in der medizinischen Versorgung als auch in der Rehabilitation erforderlich machen.
Das scheint sich aber leider nicht in den Selbstverwaltungsgremien herumgesprochen zu haben, die für die Arbeit der BG-Kliniken zuständig sind. Sonst hätten sie möglicherweise einmal darüber nachgedacht, dass es für eine ordentliche Versorgung geschädigter Versicherter kontraproduktiv ist, die BG-Klinik Falkenstein zu schließen und die Gebäude zu verkaufen.
Für die betroffenen Versicherten gibt es nun nur noch die Behandlungs- und Reha-Kapazitäten der BG-Klinik in Bad Reichenhall.



(vgl. https://www.klinik-falkenstein.com/)

Allerdings erklärt sich die Entscheidung und Empfehlung des Hauptausschusses des Dachverbandes der BG-Kliniken möglicherweise dann, wenn man sich die Namen derjenigen vergegenwärtigt, die in diesem Hauptausschuss sitzen und welche Erfahrungen man bereits mit diesen "Vertretern" gemacht werden mussten:
Arbeitgebervertreter: Prof. Dr. Eckhard Kreßel (BGHM, alt. Vorsitzender) - Volker Enkerts (VBG) - Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach (BGW) - Dr. Bernhard Ascherl (BG ETEM) - Dirk Ellinger (BGN) - Knut Gerdes (BG Verkehr) - Dr. Ulf Kürschner (BG RCI) - Peter Kunert (Unfallkasse Sachsen-Anhalt) - Dr. Rainhardt Frhr. von Leoprechting (BGHW) - Dirk Müller (BG BAU)
Versichertenvertreter: Hans-Peter Kern (BG ETEM, amt. Vorsitzender) - Christian Pfaff (BG RCI) - Hans-Ulrich Fäth (BGN) - Heinz Fritsche (BGHM) - Mathias Neuser (BG BAU) - Uta Mootz (Unfallkasse Hessen) - Dr. Horst Riesenberg-Mordeja (VBG) - Axel Schmidt (BGW) - Wolfgang Steinberg (BG Verkehr) - Manfred Wirsch (BGHW)
(vgl. https://www.bg-kliniken.de/ueber-uns/das-unternehmen/organisation/gremien/)















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Aktualisiert am 09 Nov 2020 | forum-bg@forum-bg.de

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