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Die BG Holz und Metall (109)

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Zuletzt geändert am 10.04.2018


Die BG Holz und Metall (109) - Prävention, kann doch weg!


Jeder kennt diesen alten Witz:
Ist das Kunst oder kann das weg? Bei der BGHM wird diese Frage, zur Devise abgewandelt, direkt praktiziert: Wieso Prävention, das kostet doch nur Geld, die kann weg!

Dass Dr. Platz ein sehr eigenwilliges Verständnis davon hat, was die Aufgaben der gesetzlichen Unfallversicherungen sind, das ist nicht wirklich neu. Er hat hierfür schon hinreichend Belege geliefert und scheint einfach der Auffassung zu sein, dass die gesetzlichen Unfallversicherungsträger die Aufgabe hätten, bei der Prävention zu sparen (vgl. u.a. Die BG Holz und Metall (96), Die BG Holz und Metall (95) - Nachtrag, Die BG Holz und Metall (95), Die BG Holz und Metall (94), Die BG Holz und Metall (91), Die BG Holz und Metall (87) - Dritter Nachtrag, Die BG Holz und Metall (87) - Zweiter Nachtrag, Die BG Holz und Metall (87) - erster Nachtrag) und das gesparte Geld dann für Klagen und Anwälte auszugeben.

Bedauerlicherweise hat die Selbstverwaltung der vergangenen Wahlperiode, also der Wahlperiode 2011 bis 2017, Dr. Platz gewähren lassen und ihn z.B. nicht daran gehindert bei der Prävention Kosten einzusparen und Leistungen abzubauen. Im Gegensatz dazu wurden und werden von Dr. Platz und Co immer noch hohe Summen für völlig sinnlose Prozesse ausgegeben. Auch hierzu hat Forum-BG schon vielfach berichtet.

Unterstützt wurde Dr. Platz in der Vergangenheit immer von dem Arbeitgebervertreter Wilfried Ehrlich, dem die Versichertenvertreter anscheinend nichts abschlagen konnten oder wollten.

Die Selbstverwaltung der letzten Wahlperiode hat leider völlig übersehen, was ihre Aufgabe ist und wofür sie gewählt wurde, nämlich zu kontrollieren und sicherzustellen, dass die BGHM "mit allen geeigneten Mitteln Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten" hat und dies bedeutet, für eine gute und umfassende Prävention bei ihren Mitgliedsbetrieben zu sorgen, schließlich hängt davon die Gesundheit und das Leben der Versicherten ab.

Nun gab es ja 2017 eine Neuwahl der Selbstverwaltungsgremien, aber das hat anscheinend nicht zu einer veränderten Haltung gegenüber Dr. Platz und vor allem einem angemessenen Engagement in der und für die Prävention geführt. Wenn der amtierende Vorstand der BGHM das SGB VII lesen würde, dann müsste er erkennen - vorausgesetzt er ist kognitiv dazu in der Lage - nicht die Minimierung der Kosten für die Prävention, sondern umfassende Maßnahmen zur Vermeidung von gesundheitliche Schädigungen, Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten in den Betrieben sind die gesetzliche Aufgabe von Berufsgenossenschaften. Man nennt das Prävention, falls der Vorstand hiervon noch nicht gehört haben sollte.
Oder sollte diese Ignoranz der Tatsache geschuldet sein, dass einige der aktuellen Vorstandsmitglieder schon in der letzten Wahlperiode dem Vorstand angehörten und immer noch nichts dazugelernt haben? Es ist bekannt, dass bei manchen Menschen Lernprozesse eben "etwas" länger dauern und bei einigen nie stattfinden.

Bislang muss man davon ausgehen, dass auch der neue Vorstand Dr. Platz und Co nicht von dem Vorhaben abbringen kann und will, nämlich die Prävention weiter einzuschränken, personell abzubauen und den zeitlichen Aufwand für betriebliche Beratung und Kontrollen noch weiter zu verringern.

Erstaunlich, dass Fritsche und Wagner sowie die anderen IG Metaller diesen Abbau der Prävention mitmachen.


Aber wie kommt Forum-BG eigentlich dazu anzunehmen, dass bei der BGHM die Prävention auch weiter abgebaut wird?

Nun, ein paar Anmerkungen zur Arbeitssituation in der Prävention der BGHM, wie sie u.a. in der Personalrats-Post (Ausgabe 11 vom 16.3.2018) zu lesen sind und wie sie von Beschäftigten im Aufsichtsdienst bestätigt werden, belegen leider diese Entwicklung:

  • Verlegung von Standorten


Über die Auflösung des Standorts Köln und seine Integration in den Standort Düsseldorf hat Forum-BG ja schon berichtet. Diese Form der Zentralisierung geschieht auch bei anderen Standorten, die geschlossen und "zentralisiert" werden sollen - z.B. Hauneck und Mannheim. Das hat logischerweise zur Folge, dass die Nähe der BGHM zu einer großen Zahl ihrer Mitgliedsbetriebe schwindet.
Die Fahrten für eine betriebliche Beratung aber auch Kontrolle werden weiter und zeitaufwändiger. Der eigentlich wichtige Kontakt zu den Betrieben wird damit seltener und zufälliger.
Wer tatsächlich glaubt, das könne durch Internet und Telekommunikation via Telefon und Mail ersetzt werden, dem sind die Erkenntnisse über eine nachhaltige Kommunikation und einen nachhaltigen Erfahrungsaustausch nicht bekannt.
Möglicherweise ist es aber auch und gerade das Ziel, die Mitgliedsbetriebe von Besuchen und Kontrollen zu "entlasten". Dass sich hierdurch die Statistiken über Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten negativ verändern können und werden, das scheint für Dr. Platz und Co sowie für den Vorstand kein Problem zu sein.

Für die Beschäftigten im Aufsichtsdienst bedeutet es jedenfalls, dass sie immer mehr Zeit für die Fahrten zu den Betrieben einkalkulieren müssen und damit die Zeit für Gespräche, Unterweisungen, Informationen und Anordnungen sinkt. Und damit ist man schon beim zweiten Punkt, der Platz'schen Konzeption von Prävention.


  • Mobiles Arbeiten


Für den Außendienst wird das "Mobile Arbeiten" propagiert. Dahinter verbirgt sich das Einsparen von Bürokapazität, Büropersonal und Büromobiliar. Wie in der Personalrats-Post zu lesen ist,
"soll beim nächsten Wechsel der PC/Notebook-Ausstattung im Jahr 2020 komplett auf PCs verzichtet werden, um unter anderem bei Schulungen besser agieren zu können. Es werde damit auch ein kommendes Arbeitszeitmodell "Mobiles Arbeiten" besser unterstützt", so wird aus einem Protokoll des Vita-Abteilungsleiter-Meetings vom Februar 2018 berichtet.

Wie "weitreichend" hierbei bereits gedacht wird, belegt ein Hauptabteilungsleiter, Dr. Michael Heyder, nach seiner Ansicht umfasst das "Mobile Arbeiten" das
"Arbeiten zuhause, in der Verwaltung, auf einer Schulung, auf Dienstreise, im Urlaub oder sonst wo". Eine verblüffende Aussage, Dr. Michael Heyder hat für jemanden, der bei einer Berufsgenossenschaft beschäftigt ist, eine überraschend eigenwillige Vorstellung von Arbeitsverhältnissen und Arbeitsbedingungen und keine Ahnung vom Bundesurlaubsgesetz und seinen Vorgaben. Er scheint nicht einmal zu wissen, wofür Urlaub gut ist und welche Bedeutung er für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat.

Was einen zwangsweise zu der Frage führt, wie man bei der BGHM mit solchen Defiziten mit einer Führungsfunktion betraut werden kann. Eine Frage, die aber nicht so ganz neu ist und sich einem bei der BGHM schon häufiger gestellt hat, man denke nur an Dr. Platz, Michael Schmitz und Co und deren fachliche Kompetenzen sowie Führungsqualitäten.

Das Konzept von "Mobilem Arbeiten" bei der BGHM sieht also so aus:

Man erhält ein Microsoft Surface Laptop/Tablett bzw. ein entsprechendes Gerät von Dell mit einem kleinen Bildschirm. Dieses Gerät lässt sich im Dienstwagen unterwegs laden und ist damit immer einsatzbereit. Für zuhause wird noch ein großer Bildschirm zugestanden, jedoch keine zusätzliche Dockingstation und Tastatur.
Es wird ausdrücklich betont, dass "Mobiles Arbeiten" keinesfalls mit einem Telearbeitsplatz gleichzusetzen sei. Bei einem Telearbeitsplatz müsste die BGHM ja eine ganze Reihe von Vorgaben einhalten, insbesondere müsste sie den Telearbeitsplatz auch entsprechend ausrüsten. Das würde ja den Einsparbestrebungen im Bereich der Prävention zuwiderlaufen. Die goldene Zukunft des Außendienstes findet also auf dem PKW-Sitz, in Cafes oder am Küchen- bzw. privaten Schreibtisch und laut Herrn Heyder sogar im Urlaub statt.
Wer stellt hier noch Fragen nach Arbeitsplatzergonomie?

Dieses Verhalten der Geschäftsführung, von Vita und der Stabstelle Bachor zeigt die ganze Geringschätzung, die diese mittlerweile gegenüber der Prävention offenbaren. Wie sich diese Form der Gestaltung der Arbeitsbedingungen im Bereich der Prävention mit den Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz verträgt, die die gesetzlichen Unfallversicherungen bei ihren Mitgliedsbetrieben um- und durchsetzen sollen, das ist ein Rätsel.

Aber auf der Geschäftsführungsebene in Mainz ist - so kann man hören - jedoch genügend Raum für einen Kicker-Spieltisch vorhanden. Wie sollten Dr. Platz und Co sonst ihre Tage verbringen? Das überfordert Dr. Platz und Co auch nicht. Führt einen aber wiederum zu der Frage: Sollte das nicht der Selbstverwaltung langsam zu denken geben?


  • Kein Büropersonal und der Zentraldrucker


Wie schon einmal berichtet, wurde in der Abteilung Prävention das Verwaltungs- und Schreibpersonal weitestgehend "abgeschafft". Da in der Prävention kein Büropersonal mehr beschäftigt werden darf und die Beschäftigten im Aufsichtsdienst auch keine Drucker für zuhause mehr gestellt bekommen, sollen Schreiben möglichst über den Zentraldrucker in Mainz versendet werden.

Wohl gemerkt, Aufgabe des Aufsichtsdienstes ist es Betriebe zu beraten, aber auch zu kontrollieren und hierzu sowie hierüber entsprechende Dokumente zu erstellen. Schließlich sind diese Dokumente später u.a. die Grundlage für die Entscheidung bei Entschädigungsansprüchen von Versicherten.

Wie diese Aufgaben angesichts der neuen Organisation der Schreib- und Bürotätigkeiten in der und für die Präventionsabteilung der BGHM erfüllt werden sollen, das steht dahin. Sicher ist, dass der Wegfall von Schreibkräften und die Übertragung dieser Schreibarbeiten auf die Aufsichtspersonen, nichts anderes bedeutet, als eine nochmalige Verringerung der zeitlichen Kapazitäten der Aufsichtspersonen für die Bereiche Beratung, Kontrolle und Information von und in den Betrieben sowie im Bereich der Schulung und Qualifikation. Nun mag es bei schlichter Denkungsweise kostensparend sein, nur noch einen Zentraldrucker einzusetzen, natürlich in Mainz. Gerade, wenn dieses Gerät vollautomatisch arbeitet: Drucken, Kuvertieren und Frankieren in einem Arbeitsgang.

Es gibt nur zwei kleine Probleme:

  • Man erhält in Vita Application keine Rückmeldung, ob das an den Drucker versendete Dokument überhaupt beim Drucker angekommen, eingetütet und letztendlich auf dem Postwege ist. Hier muss man doch fragen, was passiert in den Fällen, in denen die Gangart mit einem Mitgliedsunternehmen etwas härter werden muss. Schließlich haben die BGen, wie schon mehrmals betont, den gesetzlichen Auftrag zur Überwachung der Betriebe hinsichtlich der Einhaltung der Arbeits- und Gesundheitsschutzschriften. Wenn die einzelne Aufsichtsperson nicht mehr kontrollieren kann, ob die von ihr erstellten Schreiben auch an die Betriebe abgeschickt wurden, dann braucht man auch nicht mehr von Überwachung sprechen. So kann man sich auch seiner Überwachungsfunktion entledigen. Der verantwortliche Unternehmer muss einfach nur behaupten, dass er nie ein Schreiben der BGHM erhalten habe. Man kommt, wenn man sich diese Verwaltungsorganisation betrachtet, tatsächlich auf die Idee, da möchten Dr. Platz und Co den Betrieben, die es sowieso mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht so genau nehmen, eine Hilfestellung dazu geben, gegen Arbeits- und Gesundheitsschutzvorschriften zu verstoßen und das zu Lasten der Beschäftigten.
  • Der Zentraldrucker kann außerdem immer nur ein Dokument erkennen und verarbeiten. Sollen Berichte mit einem Anschreiben versehen werden, kann er diese nicht zusammenführen, sondern packt sie in 2 Umschläge. Also ins Büro fahren, ausdrucken und selbst eintüten. Was für eine schöne neue mobile Welt bei der BGHM! Dann kommen auch weniger Anschreiben zustande, da ja die Zeit für Betriebsbesuche und Betriebskontrollen fehlt.


Und es kommt noch grotesker:

Es dürfen ja keine Sozial- oder Betriebsdaten per Email versendet werden. Als Alternative wurde jetzt im Extranet der BGHM die Möglichkeit geschaffen, über dieses Post an die Betriebe zu versenden. Leider haben jedoch die wenigsten Betriebe einen Zugang beantragt. Und wenn, dann häufig nur die Personalabteilung. Wie kann die BGHM unter diesen Verhältnissen sicher sein, dass schriftliche Anordnungen auch an die Geschäftsführung der Betriebe weitergegeben werden? Haben Dr. Platz und Co möglicherweise gedacht, durch die Verlagerung der Personal-, Papier-, Druck- und Portokosten in die Betriebe könnte die BGHM Kosten einsparen? Möglich, aber etwas irrsinnig, wenn man die gesetzliche Funktion der Unfallversicherungsträger berücksichtigt. Kennt der Vorstand diese Vorgänge eigentlich? Wurden sie schon einmal im Vorstand diskutiert? Gibt es hierzu einen Vorstandsbeschluss?


  • Seminarunterlagen


Wie bereits früher schon berichtet, erhalten Seminarteilnehmer der BGHM keine oder nur noch minimalste Teilnehmerunterlagen in den BGHM-Seminaren. Dafür werden schöne Fotos von Flipcharts und Flipchartausarbeitungen ins Netz gestellt. Die Teilnehmer können sich diese herunterladen.

Wie nun zu hören war, gibt es interne Auswertungen bei der BGHM, die belegen, dass die Abrufquote dieser Informationen aus dem Internet minimal ist. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, da insbesondere viele Sicherheitsbeauftragte in den Betrieben keinen Internetzugang haben. Eigentlich nicht überraschend, wenn man nur ein wenig darüber nachdenkt, wie Arbeitsplätze von Sicherheitsbeauftragten aussehen.

Wen wundert es, wenn die Seminare bei vielen der Teilnehmer nicht den angestrebten nachhaltigen Eindruck hinterlassen und auch nicht zu den angestrebten Kenntnissen und Erkenntnissen führen. Haben eigentlich die Versichertenvertreter im Vorstand schon einmal an einem derartigen Seminar teilgenommen? Es könnte erhellend sein, setzt aber auch einen hellen Kopf voraus!


Fazit

Dies alles geht nicht nur zu Lasten der versicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Betriebe, sondern gleichermaßen auch zu Lasten der Beschäftigten der BGHM, insbesondere der Beschäftigten im Bereich Prävention. Wer dies nicht glaubt, der möge sich einmal mit der Zahl der Betrieb und der Versicherten vertraut machen.

Nur zur Erinnerung, hält man sich die Statistik über die Zahl der, pro Betrieb versicherten Personen und der Anzahl der Betriebe in der jeweiligen Kategorie vor Augen, dann stellt man fest, dass nur 840 der bei der BGHM versicherten Unternehmen 500 und mehr Beschäftigte haben. Demgegenüber sind es aber insgesamt 214.307 Betriebe mit weniger als 500 Beschäftigten. Auch wenn bei der BGHM die Geschäftsführung unter der Leitung von Dr. Platz denken mag, es handle sich bei der BGHM um die "BG der Automobilindustrie" und Dr. Platz und Co deshalb alles tun, um die Prävention auf die Wünsche und angenommenen Bedürfnisse der Automobilindustrie abzustellen, dem ist nicht so. Das belegen die Zahlen der BGHM, auch wenn anscheinend die neugewählte Selbstverwaltung Dr. Platz und Co wieder treu und brav folgt.

Hier die Zahlen aus dem Jahresbericht 2016 der BGHM

Versicherte pro Betrieb____Anzahl der Betriebe
0......................................................54.718
1 bis 9..........................................113.574
10 bis 49........................................35.443
50 bis 249........................................9.295
250 bis 499......................................1.277
500 und mehr......................................840

(vgl. https://www.bghm.de/bghm/oeffentliche-informationen/kennzahlen/)

Dass die beiden alternierenden Vorsitzenden des Vorstandes sowie noch einige andere Mitglieder des Vorstandes aus der Automobilindustrie kommen besagt noch lange nicht, bei der BGHM handle es sich um die BG der Automobilindustrie. Insofern ist eine Ausrichtung der Organisation der Prävention der BGHM an "Bedürfnissen" der Vertreter der Automobilindustrie schlicht falsch.







































































































































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Aktualisiert am 17 Sep 2018 | forum-bg@forum-bg.de

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