Forum BG, Diskussionsplattform für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Der Fall

Berufskrankheiten > Medizinische Gutachter > Das Problem mit den beratenden Ärzten

Zuletzt geändert am 16.11.2008


Bei einer gewerblichen BG wurde eine BK-Anzeige gestellt. Die BG schlug dem Betroffenen - wie in § 200 SGB VII - vorgesehen drei Gutachter vor. Der Betroffene benannte aber keinen der drei vorgeschlagenen Gutachter, sondern machte von seinem Recht Gebrauch, selbst einen medizinischen Gutachter vorzuschlagen. Die BG hat diesen Vorschlag geprüft und akzeptiert und mit der Begutachtung beauftragt. BG wie auch Betroffener haben damit im Rahmen der rechltichen Gegebenheiten gehandelt und sich verständigt.

Soweit so gut...
...hätte nicht der beratende Arzt der BG es für notwendig erachtet, auf das, vom medizinischen Gutachter vorgelegte Gutachten mit einem viele Seiten umfassenden schriftlichen Gegengutachten zu kontern. Die BG hat auf Basis des vom beratenden Arzt vorgelegten schriftlichen Gegengutachtens dann den eigentlichen medizinischen Gutachter um eine ergänzende Stellungnahme gebeten. Glücklicherweise war der medizinische Gutachter kritisch genug sich mit den Gegebenheiten dieses Falles etwas ausführlicher zu befassen. Er stellte fest, der beratende Arzt war einer der drei, von der BG dem Betroffenen vorgeschlagenen Gutachter. Der beratende Arzt hatte also - so kann nur vermutet werden -, die Chance genutzt und sich gegenüber dem "unbotmäßigen" Versicherten, der ihn als Gutachter nicht wollte, durch ein Gegengutachten revanchiert. Eine Aktion, die allerdings keineswegs rechtlich korrekt ist, da auch bei einem Gutachten nach Aktenlage vorab der Betroffene ein Auswahlrecht hinsichtlich des Gutachters hat.

Der Fehler der BG war, sie hatte nicht ausreichend zwischen der Tätigkeit von beratenden Ärzten und von medizinischen Gutachtern unterschieden. Sie hätte den beratenden Arzt darauf hinweisen müssen, was von ihm an Beratung erwartet wird und was nicht.

Glücklicherweise war der Betroffene informiert genug, sich an die Versichertenvertreter in der Selbstverwaltung zu wenden und sie über diesen Vorfall zu informieren. Es gab daraufhin ein längeres Gespräch mit der Verwaltung über diese Art der Vermengung von Verwaltungshandeln - hierzu gehört die Tätigkeit des beratenden Arztes - und über die unabhängige Erstellung eines medizinischen Gutachtens. Ein Ergebnis dieses Gesprächs war, dass die Verwaltung zusicherte künftig beratende Ärzte nicht mehr als medizinische Gutachter vorzuschlagen und dies in Form einer Verwaltungsanweise auch an die Bezirksverwaltungen weitergab.

Soweit, so gut ...
...aber leider musste festgestellt werden, es handelt sich bei diesem Vorkommnis keineswegs um einen Einzelfall. Nicht nur in dieser BG, auch in anderen BGen werden völlig unbekümmert beratende Ärzte als medizinische Gutachter vorgeschlagen - ohne, dass die Betroffenen über die vertragliche Bindung des Arztes an die BG informiert würden. In den BGen werden Juristen in großer Zahl beschäftigt, denen eigentlich aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung bewusst sein sollte, dass eine Vermengung der beratenden Tätigkeit mit der einer unabhängigen Gutachtertätigkeit mehr als anrüchig ist. Gleichwohl wird hier sehr locker mit den Rechten der Versicherten umgegangen.


Homepage | Was wollen wir | Neues | Berufskrankheiten | Informationen | Dokumente | Stichworte | Literatur | Impressum | Kontakt | Site Map


Untermenü


Aktualisiert am 22 Sep 2017 | forum-bg@forum-bg.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü