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... und der DGUV e.V. bremst

Berufskrankheiten > Medizinische Gutachter > Das Zigarettenkomplott

Zuletzt geändert am 18.9.2009


"Mit allen geeigneten Mitteln..." - und das Verständnis beim DGUV e.V.

Wer aus der Aussage des Leiters des BGFA, Herrn Prof. Dr. med. Brüning, dass Passivrauchen gesundheitsschädlich ist ( http://www.dguv.de/inhalt/praevention/themen_a_z/nichtraucher/veranstaltung/Abstract_Prof._Bruening.pdf sowie http://www.dguv.de/inhalt/praevention/themen_a_z/nichtraucher/veranstaltung/1_VORTRAG_BRUeNING.pdf), nun schließt, der DGUV e.V. arbeite an einem Konzept zum Schutz der Beschäftigten vor Passivrauch und er wolle dies auch umsetzen, der irrt gewaltig. Vielmehr setzt der DGUV e.V. - wieder einmal - auf Zeitgewinn, streng nach der Devise: Abwarten und Teetrinken, mal sehen wer´s überlebt.

Im Rahmen des Berichtes der Geschäftsleitung des DGUV e.V. bei der Mitgliederversammlung wurde von Dr. Eichendorf - dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des DGUV e.V. und zuständig für die Prävention - bezüglich der Aktivitäten zum Thema Passivrauchen folgendes vorgetragen:

"Im vergangenen Jahr haben unsere Institute in Bochum und Sankt Augustin eine große gemeinsame Studie zur Passivrauch-Belastung in Gastronomiebetrieben durchgeführt.

Die Messungen der Luftbelastung durch Nikotin und Acrylnitril wurden vom BGIA durchgeführt, während das BGFA mit Urin- und Blutproben der in der Gastronomie tätigen Nichtraucher die Konzentrationen von Acrylnitril- und Nikotinmetaboliten untersuchte.

Beide Institute mussten zunächst die für diese Untersuchungen notwendigen hoch sensiblen Messverfahren selber entwickeln und validieren, um dann während der Fußball-Europameisterschaft die Messungen in 11 gastronomischen Betrieben durchzuführen.

Die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigten eine sehr starke Korrelation zwischen den Konzentrationen von
· Nikotin und Acrylnitril in der Luft und
· Nikotin in der Luft und dem nicht metabolisierten Nikotin im Urin.

Weiterhin zeigten sich einige Zusammenhänge wie z. B.
· Thekenbedienungen sind höher belastet als Kellner/innen.
· In Diskotheken wurden in der Regel höhere Konzentrationen als in Gastwirtschaften gemessen und diese sind wiederum stärker belastet als Restaurants und Cafés.
· Im Laufe des Tages steigt die Belastung durch Passivrauch an, so dass am späten Abend die höchsten Expositionen vorliegen.

Im Rahmen von Nachmessungen im Winter wurde die Annahme bestätigt, dass die Nikotin- und Acrylnitril-Belastungen insgesamt deutlich höher als im Sommer sind, da im Winter deutlich weniger gelüftet wird. Die Ergebnisse sollen nun Grundlage eines Expositionsmodells werden, das von BGIA und BGFA gemeinsam mit den betroffenen Unfallversicherungsträgern erarbeitet wird."

Dr. Eichendorf präsentierte hierzu auch eine Grafik: Folie

Fasst man die Ergebnisse zusammen, so ergibt sich: Der DGUV e.V. hat mit einem erheblichen Messaufwand festgestellt: je länger ein Mensch Tabakrauch ausgesetzt ist, um so höher ist die Menge an Nikotin und Acrylnitril in seinem Blut und in seinem Urin.

Wer hätte das gedacht?
War wirklich jemand der Meinung, die Aufnahmefähigkeit und damit auch die tatsächliche Aufnahme von Schadstoffen aus Tabakrauch würde mit der Dauer der Expositionszeit stagnieren oder gar sinken?

Glaubt Dr. Eichendorf wirklich es handle sich dabei um bedeutsame neue Erkenntnisse?
Welche Bedeutung hat der Nachweis eines linearen Zusammenhangs von Nikotin und von Acrylnitril im Blut bzw. Urin im Verhältnis zur zeitlichen Exposition von Tabakrauch?
Weshalb wurden gerade diese beiden Stoffe gemessen?
Es ist doch hinreichend bekannt, dass Tabakrauch eine Vielzahl von Gefahrstoffen enthält. Dazu liegen genügend qualifizierte Forschungsergebnisse vor, die auf methodisch zweifelsfreien Messungen basieren. Welche besonderen Erkenntnisse sollen gerade diese beiden Stoffe erbringen?

Zu all diesen naheliegenden Fragen gab es keine Aussage von Dr. Eichendorf.

Der DGUV e.V. hat damit nicht nur viel Geld für den - nach eigener Aussage hohen - Messaufwand ausgegeben. Überdies ist wiederum ein Jahr verstrichen, ohne dass etwas zum Schutz der Beschäftigten vor Passivrauch unternommen worden wäre, ganz zu schweigen von einer systematischen Prävention. Dabei ist die Zielrichtung bereits sehr deutlich durch die Europäische Kommission vorgegeben: Ein Rauchverbot als einziger effektiv wirksamer Schutz vor Passivrauch.

Dieses Vorgehen, immer neue und an Absurdität manchmal kaum mehr zu überbietende "Forschungsaktivitäten" anzustoßen hat beim DGUV e.V. Methode und Tradition. Damit soll nicht nur den Auseinandersetzungen aus dem Weg gegangen werden, die eine systematische und wirksame Prävention natürliche mit einigen Arbeitgebern mit sich bringen wird - im vorliegenden Fall ist nicht nur mit dem Widerstand von Arbeitgebern aus dem Gastgewerbe, sondern natürlich auch aus der Tabakindustrie zu rechnen. Es geht für den DGUV e.V. und einige der gesetzlichen Unfallversicherungsträger um wesentlich mehr. Es geht um die Kosten, die die Unfallversicherungsträger für die medizinische und soziale Rehabilitation sowie für Rentenleistungen zu tragen hätten. Es soll vor allem den geschädigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Chance beschnitten werden, von den Unfallversicherungsträgern Rehabilitations- und Entschädigungsleistungen zu fordern. Frei nach dem Motto: Wir haben da noch Forschungsbedarf und deshalb können Versicherte auch keine Entschädigungsansprüche stellen, die Folgekosten sollen gefälligst die Krankenkassen sowie die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien tragen.

Daraus ergeben sich einige offene Fragen: Weshalb gibt es keine kritische Diskussion dieser Verschleppungsstrategie innerhalb der Gewerkschaften? Die Geschäftsführung/Verwaltung des DGUV e.V. ist bei allen Forschungsaktivitäten auf die Genehmigung der Finanzierung durch die Selbstverwaltung angewiesen. Wurde denn dieses Projekt und seine Finanzierung durch die Selbstverwaltung genehmigt? Und falls ja, warum hat die Selbstverwaltung diesem Projekt seine Zustimmung gegeben? Im Sinne der Versicherten war dieses Projekt wohl kaum.

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